Schuldenreport 2026

Krieg am Golf verschärft Auslandsschuldenkrise im Globalen Süden

44 Staaten im Globalen Süden leiden unter einer sehr hohen Auslandsschuldenlast. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Schuldenreport, der am 28. April 2026 veröffentlicht wurde. Weitere 25 Staaten sind hoch belastet. Neben Mosambik gehören Madagaskar, Niger und die Zentralafrikanische Republik zu den hoch belasteten Ländern. Diese Staaten müssen in den Jahren 2026-2028 durchschnittlich zwischen zehn und 15 Prozent ihrer Staatseinnahmen für den Auslandsschuldendienst aufwenden. Diese hohe Belastung der Staatshaushalte dürfte für viele Länder bereits heute sozial nicht mehr tragfähig sein.

 „Länder mit einer sehr hohen Auslandsschuldenlast müssen mehr als 15 Prozent ihrer Staatseinnahmen für Zins- und Tilgungszahlungen an ausländische Gläubiger aufbringen. In Angola sind es sogar 60 Prozent, im Senegal 39 Prozent“, erklärt Malina Stutz, Politische Referentin beim deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de. „Damit fließt ein untragbar hoher Teil der öffentlichen Einnahmen in diesen Ländern nicht in elementare Staatsaufgaben wie Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur, sondern an ausländische Gläubiger.“ Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote für den Auslandsschuldendienst lediglich bei rund zwei Prozent.

Titelbild Schuldenreport 2026
Weltkarte mit farblicher Markierung der Auslandsschuldenlast weltweit

Alarmierenden 81 Prozent der Menschen in Mosambik müssen kaufkraftbereinigt von weniger als drei US-Dollar pro Tag leben.

In Ländern, die bereits jetzt durch Zahlungen an ausländische Gläubiger stark belastet sind, wächst in der aktuellen Weltlage die Gefahr von Schuldenkrisen. Mit gravierenden Folgen für die betroffenen Menschen.

„Zu der hohen Auslandsverschuldung vieler Länder kommen nun noch die verheerenden Folgen des Kriegs am Golf hinzu“, warnt Benjamin Rosenthal, Experte für Entwicklungsfinanzierung bei Misereor. „Hohe Energie- und Lebensmittelpreise belasten zusätzlich die Staatshaushalte und werden zu einem Abzug von Kapital und höheren Kreditkosten in vielen verschuldeten Ländern führen. Das macht etwa den Erhalt von Schulen und Krankenhäusern und die soziale Grundsicherung noch teurer.“ Der Libanon zum Beispiel leistet gemessen an den Staatseinnahmen den höchsten Schuldendienst weltweit und befindet sich im Zahlungsausfall. „Die Menschen dort kämpfen bereits seit Jahren mit den Auswirkungen einer schweren Finanzkrise, die ihnen ihre Ersparnisse genommen hat“, beschreibt Rosenthal die Situation. „Durch den Krieg in der Region stehen sie nun buchstäblich vor dem Nichts.“

Wie die Analyse zeigt, ist eine Entspannung der Situation aktuell nicht zu erwarten. „Die öffentliche Vergabe von Zuschüssen und Krediten an Länder des Globalen Südens ist zuletzt deutlich eingebrochen, auch infolge gekürzter Mittel in der Entwicklungszusammenarbeit“, erklärt Malina Stutz. Private Gläubiger hätten hingegen bereits vor der Krise am Golf Kredite nur noch zu sehr hohen Zinssätzen vergeben – insbesondere an bereits hoch verschuldete Staaten. „Dies birgt die Gefahr, dass Schuldenkrisen verschleppt, statt gelöst werden und die Länder tiefer in Abhängigkeiten geraten“, so Stutz weiter. Gleichzeitig bietet die gläubigerzentrierte, internationale Schuldenarchitektur keine effektiven Lösungen, um Auslandsschuldenkrisen nachhaltig zu überwinden. Länder wie Ghana, Sambia, Sri Lanka und Suriname, die in den vergangenen Jahren Umschuldungen im Rahmen dieser gläubigerdominierten Strukturen durchgeführt haben, weisen weiterhin eine der höchsten Belastungen weltweit auf.

Reformblockade muss gelöst werden 

„Reformen, die diese problematischen Strukturen aufbrechen, werden von Ländern des Globalen Nordens bisher blockiert. Darunter sind Deutschland und die EU“, kritisiert Benjamin Rosenthal. Eine radikale Neugestaltung der internationalen Schulden- und Finanzarchitektur sei jedoch dringend erforderlich. Dafür brauche es verbindliche Mechanismen zur Schuldenstreichung sowie deutlich ausgeweitete und verbindliche öffentliche Entwicklungsinvestitionen. Außerdem eine grundlegende Neuausrichtung des primär auf private Finanzierungsquellen ausgerichteten Entwicklungsmodells. 

„Die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass dringend benötigte, umfassende Reformen der internationalen Finanz- und Schuldenarchitektur endlich umgesetzt werden und betroffene Länder stärker mitbestimmen können“, erklärt Rosenthal. „Faire und verlässliche Schuldenerleichterungen sind kein Akt der Gnade. Sie müssen zum integralen Bestandteil der internationalen wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenarbeit werden. Eine Zusammenarbeit, die Würde, Teilhabe und Entwicklung für alle Menschen ermöglicht.“

Der Schuldenreport, der jedes Jahr vom deutschen Entschuldungsbündnis erlassjahr.de und Misereor herausgegeben wird, analysiert die aktuelle Auslandsverschuldung weltweit sowie die Rolle Deutschlands in der internationalen Entschuldungspolitik und gibt Empfehlungen für den Umgang mit der globalen Schuldenkrise. Besonderes Augenmerk richtet die Analyse auf die Schuldenlast von Ländern des Globalen Südens.

erlassjahr.de wird von derzeit mehr als 500 Organisationen aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft bundesweit getragen und ist eingebunden in ein weltweites Netzwerk nationaler und regionaler Entschuldungsinitiativen. Der KoordinierungsKreis Mosambik e.V. ist im Bündnisrat von erlassjahr.de aktiv und wird dort von Petra Aschoff seit vier Jahren vertreten.